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Wertefindung/-Abgleich im Selbst und in der Partnerschaft

Ich möchte Sie einladen, mir bei meinen Gedanken und Entwicklungserkenntnissen über die Schulter zu schauen. Dabei bitte ich Sie gut und kritisch zu prüfen, ob das Gelesene ein wenig, etwas mehr oder auch gar nicht mit Ihrer inneren Wahrheit in Resonanz geht. Es ist mir ein großes Anliegen, weder ein „richtig oder falsch“ noch ein „ich wüsste wie es geht“ in Ihnen zu erzeugen. Auch habe ich die genutzten Methoden weder erfunden, noch kann und möchte ich auf die Wirksamkeit pochen. Sie haben mich jedoch in meiner Wahrheit, in meinem Entwicklungsprozess und meiner inneren Selbstforschung entscheidend voran gebracht.

Werte erforschen

Mit dem Wort „Wert“ oder „Werte“ kann in meiner Welt recht viel verbunden werden.
Geld hat dort zum Beispiel einen definierten Wert. Zahlen, Schmuck, Häuser, Autos haben ebenfalls einen Wert. Interessanter wird es für mich hingegen mit emotionalen Werten. Ich hatte zum Beispiel in meiner Kindheit eine Frotteekatze, die einem ca. 30 cm langen dickeren Strichmännchen glich. Genäht von meiner Oma Luise aus einem butterblumengelben Frotteehandtuch. Diese gelbe Schlabberkatze hatte für mich einen nahezu überweltlichen Wert und sie hat mir – ähnlich einem Schnuffeltuch oder Schnuller – Sicherheit, Ruhe und Geborgenheit gegeben. Ich erinnere mich daran, dass meine Eltern und ich einmal auf dem Urlaubsweg Richtung Sylt nach nicht unerheblicher Fahrstrecke mit dem Auto umdrehen mussten, weil eben diese Katze auf dem Weg ins Urlaubsgepäck irgendwo falsch abgebogen und zuhause liegengeblieben war.

Eigene oder übernommene Werte?

In der Persönlichkeitsgestaltung und -entwicklung spielen Werte in meiner Wahrheit ebenfalls eine entscheidende Rolle. Hierbei ging es früher, aus meiner Sicht, bei mir selbst eher um gelebte Eigenschaften und/oder vermittelte Ideale. Interessant wurde dieses Thema für mich, als ich in einem Persönlichkeitstraining vor einigen Jahren herausfand, dass meine damals voller Stolz und sorgsam aufgezählten, wie aus der Pistole geschossen genannten Werte, zum großen Teil gar nicht meine eigenen persönlichen Werte, sondern übernommene waren. Rums, da ist mir die Kinnlade auf den Brustkorb geklappt. „Was macht das mit mir?“ und „Wie oder Wer bin dann eigentlich ich?“ fragte ich mich leicht verwirrt.

Daraus erwachte glücklicher Weise mein Forschergeist: In viel neugieriger eigener Forschungsarbeit an und in mir entdeckte ich in der Folge übernommene, teilweise anerzogene Werte und Glaubenssätze. Worte wie z.B.:

  • Pünktlichkeit,
  • Ehrlichkeit,
  • Fleiß,
  • Zuverlässigkeit …

Dazu gesellten sich paarige Glaubenssätze wie z.B.:

„10 Minuten vor der Zeit, ist des Deutschen Pünktlichkeit.“

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er tausendmal die Wahrheit spricht.“

„Der frühe Vogel fängt den Wurm.“

Oder auch: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

Staunend erkannte ich Zusammenhänge, die mein Leben bisher ganz ordentlich beeinflusst hatten. DAS sind für mich, aus heutiger Sicht, anerzogene und damit antrainierte Werte, übernommen von meinen Eltern und vermutlich der Gesellschaft. Dabei möchte ich ausdrücklich diese genannten Werte weder negieren, noch „be-Werten“. Es ist mir wichtig an dieser Stelle zu erwähnen, dass ich bei fürsorglichen Eltern, sogenannten „Kriegskindern“ (da sie in den Kriegsjahren geboren sind), aufgewachsen bin. Für diese Generation sind es in meiner Wahrheit und aus meinem Verständnis heraus Überlebens-Werte und stabilisierende Glaubenssätze, die innere Sicherheit und Struktur in einer Welt voller Kriegs- und Nachkriegsjahren prägten. Wie ich für mich nun herausgefunden hatte, sind es eben nicht meine in diesem Leben „eigen“ entwickelten, die zur jetzigen Zeit meine Seele und mein Handeln leiten. Vielleicht aus heutiger Sicht wahlweise eher „begleiten“.

Eigene Werte erforschen

So habe ich mich neugierig auf die Reise begeben, meine ganz eigenen Werte herauszufinden und zu erforschen. Dabei hatte ich großartige Unterstützung von meiner butterblumengelben Frotteekatze (mit leicht vernuckelten Ohren), meinem Umfeld und einem erfahrenen Persönlichkeits-Coach an meiner Seite. Meiner Frotteekatze verdanke ich die beschriebene Werte-Erkenntnis über sie und mein Aufwachsen, mein Umfeld hat mir, wenn auch unbewusst, meine bis dahin gelebten Werte aufgezeigt und gespiegelt. Und die Zusammenarbeit mit dem Coach hat es charmant geschafft, mich durch Vertrauen und Spüren in die gewünschten/gesuchten/gefundenen Worte/Werte hinein zu fühlen. Dies geschah im Wesentlichen mit geschlossenen Augen in aneinandergereihte Buchstaben auf runden Zetteln, auf denen je ein einzelner Wert geschrieben stand. So stand ich buchstäblich auf einem Wert und konnte erspüren, ob Dieser stimmig, halb- oder gar nicht passend für mich ist. Nach einigen verwirrten Startherausforderungen bin ich mir und meinem ganz eigenen Wesenskern dabei dann Stück für Stück etwas mehr auf die Schliche gekommen.

Am Ende lagen für mich mit blauem Filzstift geschriebene berührende Worte/Werte wie u.a.

  • Liebe
  • Vertrauen
  • Authentizität
  • Frieden
  • Humor
  • Empathie/Menschlichkeit
  • Leidenschaft
  • Glück
  • Gesundheit

auf rosafarbenen, runden, etwa 10 cm großen Zettelpunkten im Raum verteilt. Diese Worte in Ihrer Gesamtheit treiben mir noch heute berührte Tränen in die Augen. DAS sind meine Werte. DAS sind Werte die mich berühren, die ich Leben möchte und die mich heute ausmachen. UND: Ich habe eine Wahl diese zu leben!

Interessanterweise fand ich im Austausch mit meinem Umfeld darüber oft „zufällig“ Menschen, die ähnliche Werte wie ich selbst haben/suchen/leben. Durch meine eigene Selbst-Suche auf dem Abenteuer-Spielplatz des Lebens hat sich dieses Umfeld, vielleicht auch Kraft der neuen Resonanzen, entsprechend für mich zum Positiven verändert. Und, ich habe es sehr zu schätzen gelernt, mich mit ähnlich interessierten Menschen im ähnlichen Such-Finde-Prozess zu reflektieren und zu umgeben. Dabei habe ich quasi nebenbei für mich bereichernd herausgefunden, dass es durchaus Sinn macht, mit anderen Menschen darüber neugierig in den Austausch zu gehen, um neue und ggf. andere Sichtweisen erfahren zu können.

Meine daraus gesammelte Erkenntnis derzeit: Jeder Mensch interpretiert jedes Wort und damit auch jeden Wert auf seine ganz eigene Weise, basierend auf seinen eigenen gemachten Erfahrungen und Wahrnehmungen. Ich fand für mich heraus, dass es oft eine Art „Er-wartung“ untereinander zu geben scheint, dass die Wort-Deutung und -Bedeutung im großen kosmischen Konsens unausgesprochen die Gleiche ist. Ein in meiner Wahrheit spannendes Phänomen. So könnte ich vermuten, dass Sie eine Idee bekommen haben, wie meine heißgeliebte Frotteekatze aussieht und welche Bedeutung sie für mich hat. Vielleicht haben oder hatten Sie ein ähnliches Kuscheltier in Ihrem Lebenslauf. Wie genau sich meine Kuschelkatze anfühlt oder geduftet hat, welche Abenteuer wir gemeinsam mein ganzes Leben, in allen bisherigen Lebensphasen erlebt haben, welche Dramen sich in mir abgespielt haben, als eines Tages ihr Bein abgefallen ist, und meine Oma Luise mit einem heldenhaften notfallchirurgischen Eingriff dieses Bein wieder annähen konnte, sowie viele kleine Einzelheiten, die den Kuschelkatzen-Wert für mich unermesslich steigern, können Sie dennoch nicht kennen. Aber falls es Sie interessiert, könnten Sie mich danach fragen, um Ihre Idee darüber zu überprüfen, zu ergänzen oder zu modifizieren.

Wertefindung/-abgleich in einer Partnerschaft

Die beschriebene und von mir erlebte Art der Wertefindung kann im Bedarfsfall in wirklich vielen Bereichen (um genau zu sein, fällt mir gerade kein Bereich ein, in dem es nicht eingesetzt werden könnte) Anwendung finden. Im Firmenbereich, Management und/oder Teambuilding, im Freundes- und/oder Hobbykreis sowie innerhalb der Familie, könnte diese Art der gemeinsamen Fokussierung und des Wortabgleichs beispielsweise erforscht werden. Und um hier mal aus dem Nähkästchen zu plaudern: Ich habe diese Forschungsreise ebenfalls in den Bereich der Partnerschaft übertragen:
In mir kam nach meiner gemachten Erfahrung zunehmend die Idee auf, dass jeder Mensch egal ob bewusst oder unbewusst eigene Werte in fast allen Bereichen lebt. Da ich aus meiner Arbeit und meinem Leben das Modell des inneren Landschaftsabgleiches untereinander sehr schätze, fand ich es demnach eine gute Idee, meinen Partner zu fragen, welche Beziehungswerte er hat und mit mir lebt? Den erstaunten Blick, ähnlich einem WhatsApp Staune-Smiley, sehe ich noch immer innerlich vor mir und er zaubert mir sofort ein breites Grinsen ins Gesicht. Also falls Sie mögen, ein kleiner Tipp am Rande: Eine gewisse sanfte Bahnung an dieses Thema heran kann offensichtlich hilfreich sein.

Nach anfänglicher Verwirrung und großen ratlosen Staune-Augen, was genau ich damit wohl meinen könnte, hat sich daraus in meiner Wahrgebung ein extrem bereicherndes gemeinsames Projekt entwickelt:

Wir gleichen unsere Werte ab, deren jeweils eigene Deutungsgebung und definieren daraus „unsere eigenen Beziehungswerte!“

Das daraus ein derart tiefer, verbindender, erkenntnisreicher Austausch wird, war mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht bewusst. Wir haben uns in meiner Welt auf einer der tiefsten Ebenen kennengelernt, abgeglichen und verständigt, die ich mir derzeit partnerschaftlich vorstellen kann. Nachdem wir gegenseitig neugierig und wertschätzend die Bedeutung von Wertenamen abgeglichen hatten, konnten wir viele Gemeinsamkeiten und auch einige Deutungsabweichungen finden.

Nach langem und intensivem Austausch haben wir uns daraus überlegt, gemeinsame Deutungsgebungen für Wertenamen zu gestalten und diese zu sammeln. So kamen insgesamt 18 durch uns individuell abgestimmte Beziehungswerte unter dem von uns gewünschten Oberbegriff „Verbindlichkeit“ zusammen. Als Anker und um uns im Trubel des Alltags daran zu erinnern, haben wir genau diese 18 Werte auf zwei identische Ringe gravieren lassen.

Mit diesen Ringen haben wir gegenseitig „Ja, zu Verbindlichkeit!“ zueinander gesagt. Nicht vor Zeugen, nicht vor dem Gesetz, ohne großes äußeres Drumherum. Und das mit unseren gemeinsam gestalteten Werten.
Werte wie z.B. Wertschätzung, Respekt, Verbundenheit, Liebe, Vertrauen …

Wir haben uns fortführend in festgelegten Abständen zu einer „Wertezeit“ verabredet. An diesen Terminen möchten wir unsere eigen definierten Werte reflektieren, neu erforschen und ggf. einen erneuten Abgleich vornehmen.
Ich bin von diesem „Zufallsprodukt“ noch immer derart tief beeindruckt, dass ich es jedem an tiefen gemeinsamen Werten und Entwicklung interessierten Menschen und/oder Paaren nahe bringen möchte.

Eigene Werte leben

Aus heutiger Sicht war und ist meine diesbezügliche Forschungsreise ein weiterer wichtiger Meilenstein für meine persönliche Selbsterforschung und Selbstbestimmung. Meine eigenen entdeckten Werte in mir und den gewünschten Bereichen meines Lebens zu kennen, zu erforschen, immer wieder zu überprüfen und zu leben hat mir eine große Last von den Schultern genommen, die ich im Vorwege nicht hätte benennen können.

Meinem sich noch immer und ständig weiter entwickelndem ICH treu zu sein und damit authentisch durchs Leben zu gehen, ist aus meiner eigenen Erfahrung heraus nicht unbedingt der einfachste Weg in einer Gesellschaft, die aus meinen Augen betrachtet, Anpassung und funktionierende Menschen „erwartet“.

Manchmal beobachte ich in meinem Erleben, dass einige oder auch viele meiner „alten Werte“ oder interessante Ausdrucksweisen von gehetzt und gestresst wirkenden Menschen, gern auch zur jetzigen Vorweihnachtszeit, in meinem Umfeld gelebt und/oder er-wartet werden. (Über das Thema „Erwartungen“ habe ich meine Gedanken bereits in einem anderen Artikel zum Ausdruck gebracht.)

Je nach Tagesform kann ich mich darüber wundern und/oder es gelassen zur Kenntnis nehmen. Hilfreich empfinde ich den Gedanken, dass jeder Mensch all seine Handlungen und Worte in einen Spiegel zwischen sich selbst und dem Gegenüber lebt/spricht. Mit diesem „Spiegel-Bild“ im Kopf staune ich sehr, wie manche Menschen mit sich umgehen und/oder mit sich reden.

Aus einem ehrlichen Interesse heraus wertschätzend zu kommunizieren, empfinde ich nach wie vor als großes Geschenk. Mit mir und meinem Umfeld gleichermaßen. Meine eigenen Werte, Ergänzungen und Veränderungen immer wieder neu zu entdecken, zu leben und diese auch zu kommunizieren. Mich damit mir und der Welt gegenüber authentisch zu zeigen.

 

Ich hoffe Sie hatten eine kleine, vielleicht erkenntnis- und/oder abgleichreiche Reise, beim Lesen meiner aneinandergereihten Buchstaben, Worte, Erfahrungen und meinen eigenen daraus resultierenden Gedanken.
Es sind meine Gedanken, aus meinen Erfahrungen auf meinem ganz persönlichen Weg meiner Selbsterforschung. Nach wie vor bin ich sehr begeistert auf dem Abenteuerspielplatz des Lebens mit all seinen kleinen und großen Höhen unterwegs. Aus meiner Sicht gibt es nichts wertvolleres, als sich selbst mehr und mehr kennenzulernen, um ein wahlreiches und selbstbestimmtes authentisches Leben zu führen.
Ich wünsche allen Menschen von Herzen, die Neugier auf den Abenteuerspielplatz der Selbsterforschung zu entdecken, diesen ggf. nach eigenem Wunsch zu betreten und zu schauen, ob die momentan gelebten Werte hilfreich und freiwillig gelebt sind.

Gedanken sind immer der Anfang eines Weges!

Autor: Kirsten Tönsmeyer
Thema: Werte erforschen und leben
Bild: Cristina Gottardi on unsplash.com
Webseite: http://www.der-gedankenweg.de
Autorenprofil: Kirsten Tönsmeyer ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und arbeitet in eigener Praxis in Schleswig-Holstein als Hypno- & Gesprächstherapeutin. Sie begleitet Menschen auf Ihrem Entwicklungsweg in hypnosystemischer Atmosphäre. In Zusammenarbeit mit dem sysTelios Gesundheitszentrum in Siedelsbrunn begleitet Sie die Transfergruppen für ehemalige Klienten/innen und Selbstforscher/innen in Bremen und Hamburg.